Wie Berliner Bars im Lockdown den Draht zu den Gästen halten

Mehr als nur ein virtuelles Bar-Erlebnis: Wie Berliner Bars im Lockdown den Draht zu den Gästen halten

Photo: Pawn Dot Com


Wenn die Gäste nicht in die Bar kommen können, dann kommt die Bar eben zu den Gästen: Nach diesem Prinzip haben die Berliner Bars „Pawn Dot Com“ und „Galander Kreuzberg“ zwei spannende neue Konzepte entwickelt, die auch über den Lockdown hinaus interessant und umsatzfördernd bleiben könnten.  
 
Wie alle anderen Bars des Landes darf auch das „Pawn Dot Com“ in der Torstraße in Berlin-Mitte zurzeit leider keine Gäste empfangen. Um den Draht zu diesen zu halten und auch, um weiterhin etwas Umsatz zu machen, bietet die Ende 2018 eröffnete Bar zurzeit vorgemixte, trinkfertige Cocktails an, die man sich nach Hause bestellen kann. Unter anderem hat das Barteam dafür verschiedene Boxen zusammengestellt. Zum Beispiel die „Booze Box“: Sie enthält vier eigene Cocktail-Kreationen im Vakuumbeutel, hinzu kommen Limonaden zum Auffüllen, Garnituren, ein Shot mit Glas, Knabbereien und sogar eine Playlist mit der Musik aus der Bar. Nur das Eis müssen die Gäste selbst vorbereiten. Eine alkoholfreie Variante der Box gibt es auch.
 

Die Drinkbox kommt – und der Bartender virtuell gleich mit

So weit, so gut: Die schön sortierte „Booze Box“ ist das flüssige Pendant zu den Foodboxen, die viele Restaurants zurzeit anbieten. Doch das „Pawn Dot Com“ legt noch eine Schippe drauf, und zwar eine digitale: Einmal pro Woche (Stand März 2021) findet ein Online-Tasting statt. Am Freitagabend um sieben – perfekte After-Work-Zeit – nämlich lädt man an den Tresen. Zumindest virtuell oder genauer gesagt: hybrid. Denn die Drinks, um die es bei diesem Tasting geht, haben sich die „Gäste“ mit besagten Boxen ja vorab bestellt, und mit der Bestellung erhalten sie einen Link zur digitalen Verkostung. Diese führt Barchef Marius Döring live aus der Bar durch. Er steht am Tresen und blickt seine Gäste durch die dort aufgestellte Kamera an. Ansonsten ist es fast genauso, als säße man wirklich an der schönen Bar des „Pawn Dot Com“. Während probiert, genippt und genossen wird, erfahren die Teilnehmer mehr über die Kreationen: Was ist das eigentlich, ein Milk Punch? Und was ist das Besondere des (japanischen) Gins, der für die hauseigene London-Mule-Version zum Einsatz kommt? Ganz entspannt vom heimischen Sofa aus können die Gäste dem Cocktail-Profi zuhören, Fragen stellen und (wenn das Mikrofon für alle freigeschaltet wird) auch mit den anderen Teilnehmern des Tastings plaudern. Manche nehmen in Begleitung am Online-Tasting teil, andere solo. Auch das ist ein Novum. Denn alleine zu Hause Cocktails zu trinken, käme wohl nicht vielen in den Sinn. Hier aber, dadurch dass eben noch mehr Leute dabei sind, entsteht ein Gefühl der Gemeinschaft.
 
Wir haben das Online-Tasting des „Pawn Dot Com“ selbst ausprobiert und stellen fest: Natürlich ersetzt dieses Erlebnis einen Abend am „echten“ Tresen nicht. Aber: Es ist deutlich dichter dran, wenn die Bar auf digitalem Wege gleich mitgeliefert wird, als einfach nur etwas zu trinken zu bestellen. Dem Bartender beim Mixen zuzusehen, das markante Klackern des Eises im Shaker zu hören, der Musik zu lauschen, ein wenig zu plaudern, das alles vereint sich mit dem Genuss der Getränke und der Aromen zu einem gemeinsam erlebten Event. Betreiber Dustin Render erklärt, wie es dazu kam: „Uns allen fehlen die langen Abende in der Bar, mit durchmischtem Stimmengewirr und regem Cocktailmixen hinterm Tresen – vielen Menschen geht es gerade sicherlich ähnlich. Das hat uns auf die Idee gebracht, ein virtuelles Tasting zu veranstalten, bei dem wir Teilnehmer nicht nur mit unseren Kreationen begeistern, sondern auch mit ihnen in einen Austausch treten können.“

schön sortierte „Booze Boxen“ sinddas flüssige Pendant zu den Foodboxen, die viele Restaurants zurzeit anbieten

Die Bar wird zum Computerspiel – mit echten Drinks!

Einen solchen Austausch bietet seit Januar 2021 auch die Kreuzberger „Galander Bar“ an: Sie ist nämlich bis auf Weiteres ins Digitale „umgezogen“. Dafür nutzt man das Software-Tool „Gather“, mit dem sich auf recht einfache Art und Weise virtuelle Umgebungen bauen lassen – und zwar zweidimensional und in putziger Achtziger-Jahre-Computerspieloptik! Und wie man es vom Zocken kennt, besuchen die „Gäste“ diese virtuelle Variante in Form bzw. in Person eines Avatars, den sie selbst gestalten. Damit stapfen sie dann, wie der Held eines Retro-Games, durch eine Landschaft, die der echten Location ziemlich detailgetreu nachempfunden ist: Es gibt einen Tresen, dessen Hintergrund ein Foto des echten Rückbuffets ist, einen Raum mit kleinen Tischen und Sitzecken. Auf der kleinen Bühne der Bar (die es freilich auch in echt gibt) spielen Musikerinnen und Musiker manchmal sogar Live-Musik, eine Tanzfläche gibt es auch. Auch das WC für Herren und Damen fehlt nicht, und wer möchte, kann auch vor die Tür treten, um frische Luft zu schnappen oder dem blauen Dunst zu frönen. Sogar das angeschlossene Spirituosengeschäft, den auch „in real life“ benachbarten „Galander Liquor Store“, lässt sich auf diese Weise besuchen.
 
Das alles ist aber mehr als nur eine lustige Idee. Denn tatsächlich kann man in dieser virtuellen Bar auch etwas bestellen und genießen. Dafür stehen diverse Cocktail-Kreationen zur Auswahl, die im Onlineshop direkt während des Besuchs gekauft werden können. Wer innerhalb des Liefergebiets (Radius: fünf Kilometer) wohnt, kann am virtuellen Tresen, beim Bartender, seine Bestellung aufgeben. Das funktioniert so: Sobald die beiden Avatare – Bartender und Besucher – dicht nebeneinander stehen, geht die Laptop-Kamera an und man blickt sich ins Gesicht. Was darf’s denn sein? Man wählt aus und sieht, wie der Bartender zeitgleich am echten Tresen in der echten Bar den eigenen Drink mixt. Mehrmals pro Abend werden die Bestellungen ausgeliefert, etwas Geduld und Vorfreude sollte man also mitbringen. Wer nicht so lange warten möchte, kann sich seine Drinks auch vorbestellen – oder überbrückt die Zeit mit einem eigenen Getränk. Man muss auch gar nichts bestellen: Zugang zur digitalen Bar gibt es auch durch Lösen eines Tages- oder Wochentickets. Das ist dann so eine Art Korkgeld-Ersatz für die „mitgebrachten“ eigenen Getränke und unter anderem spannend für Gäste, die weiter weg wohnen, aber Sehnsucht nach einem Barbesuch haben.

Mit Tools wie "Gather" werden Bars zum Computerspiel

Gastfreundschaft wie in der „echten“ Bar

Das alles mag ein wenig verrückt klingen. Aber: Es funktioniert. Ziemlich gut sogar, können wir bestätigen: Auch diese virtuelle Bar haben wir nämlich selbst besucht. Mit uns waren immerhin rund 40 Gäste online vor Ort, oft seien es sogar noch viel mehr, erfuhren wir. Manche Leute kamen allein, andere zu zweit ins virtuelle „Galander“. Manche setzten sich an den Tresen und kamen mit Fremden ins Gespräch, andere machten es sich in der Lounge mit digitalen Bekannten gemütlich – einige schienen sich tatsächlich „vor Ort“ verabredet zu haben. Auch wir hatten ein paar nette Gespräche und unsere Bestellung – ein erstklassiger Vieux Carré – kam zügig und inklusive großem Eiskubus bis an die Wohnungstür. Der Barbetreiber Dominik Galander lief währenddessen mit seinem Avatar ständig durch den Laden, begrüßte seine Gäste und unterhielt sich mit ihnen – wie es gute Gastgeber eben tun. Ob nun analog oder digital – im Prinzip egal! Es ist geplant, virtuell auch dann weiter geöffnet zu halten, wenn die „Kohlenstoff“-Version der Bar ihre Türen wieder aufmachen darf.
 
Warum auch nicht? Denn auf diese Weise – und ebenso mit Online-Tastings, die live vom Tresen moderiert werden – kann die Bar ihre Reichweite erhöhen und sogar Getränkeumsätze machen. Und auch, wenn die meisten Gäste es wohl kaum erwarten können, bald wieder am echten Tresen ihrer Bar Platz nehmen zu können: Die Möglichkeit, eine Bar zu besuchen, ohne das Sofa verlassen zu müssen, könnte auch dauerhaft ein interessantes Angebot darstellen.
 
Mehr Infos:
https://pawndotcombar.shop
https://www.galander.berlin/galander-online-bar

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